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KI-Ratgeber · Kosten und Einstieg

Wird KI noch billiger, wenn ich warte?

Von Bernd Weiler · Stand:

Die kurze Antwort: Nein, jedenfalls nicht mehr in der Größenordnung, die viele im Kopf haben. Die Rechenleistung hinter KI ist seit 2023 um mehr als das 400-fache billiger geworden, aber dieser Sturz hat bereits stattgefunden. Seit Ende 2025 bewegen sich die Preise am unteren Ende kaum noch. Wer heute auf den nächsten großen Preisverfall wartet, wartet auf etwas, das schon passiert ist. Und er wartet an der falschen Stelle, denn die Technik ist längst der kleinste Posten eines KI-Projekts.

„Das wird doch nächstes Jahr viel günstiger." Diesen Satz höre ich oft, und er hat einen wahren Kern. Wer die Entwicklung der letzten Jahre beobachtet hat, konnte tatsächlich mit jedem Halbjahr auf einen niedrigeren Preis hoffen. Nur ist diese Beobachtung inzwischen überholt. Ich habe mir die Zahlen im Detail angesehen, und das Ergebnis hat mich selbst überrascht.

Was zwischen 2023 und heute passiert ist

Abgerechnet wird KI nach Textmenge, gemessen in sogenannten Token. Ein Token ist ungefähr ein halbes Wort. Für einen Betrieb ist diese Einheit wenig anschaulich, deshalb rechne ich sie hier in einen echten Vorgang um: eine Eingangsrechnung automatisch auslesen und die Beträge als Datensatz übergeben. Das ist eine typische Aufgabe, wie ich sie in der Buchhaltung meiner Kunden automatisiere.

Was das KI-Modell kostet, um eine Eingangsrechnung auszulesen
  • März 2023GPT-4 1,80 ct
  • November 2023GPT-4 Turbo 0,72 ct
  • Juli 2024GPT-4o mini 0,013 ct
  • 2025Gemini 2.0 Flash 0,008 ct
  • August 2026günstigstes brauchbares Modell 0,004 ct

Gerechnet mit einer echten Rechnung von 403 Token Eingabe und 125 Token Ausgabe, umgerechnet zu 1 US-Dollar = 0,92 Euro. Die Balkenlängen sind gestaucht dargestellt, weil der letzte Balken sonst unsichtbar wäre. Preisquellen: LLM Stats und die Preislisten der Anbieter.

Anders ausgedrückt: Für einen Euro konnten Sie im Frühjahr 2023 etwa 55 Rechnungen auslesen lassen. Heute sind es rund 23.800. Der Preis ist auf ein Vierhundertstel gefallen, und die Qualität ist dabei nicht gesunken, sondern gestiegen.

Warum die Preise so stark gefallen sind

Drei Entwicklungen haben zusammengewirkt. Erstens der Wettbewerb: 2023 gab es praktisch einen Anbieter, heute liefern sich mindestens sechs ein Rennen um denselben Markt. Zweitens die Hardware: Die Chips, auf denen die Modelle laufen, sind von Generation zu Generation deutlich effizienter geworden. Und drittens die Bauweise der Modelle selbst. Moderne Systeme aktivieren für jede Anfrage nur einen Bruchteil ihrer Bestandteile, statt jedes Mal das gesamte Modell zu bemühen. Das senkt die Kosten pro Anfrage erheblich, ohne die Qualität zu drücken.

Der Preisverfall ist gelaufen

Und jetzt der Teil, der in den meisten Artikeln zu diesem Thema fehlt. Ich habe geprüft, wie es seit Ende 2025 weitergegangen ist, und die Antwort lautet: kaum noch. Das günstigste Modell, das für Büroaufgaben taugt, kostete Ende 2025 rund 0,06 US-Dollar je Million Token. Heute, acht Monate später, sind es 0,05. Das ist keine Entwicklung mehr, das ist Rauschen.

Der große Sprung lag zwischen Mitte und Ende 2025, als der Preis von 1,25 auf 0,06 US-Dollar fiel. Wer damals gewartet hat, hat tatsächlich gespart. Wer heute wartet, spart nichts mehr, weil unten schlicht kein Spielraum mehr ist. Ein Vorgang, der vier Tausendstel Cent kostet, kann nicht mehr sinnvoll billiger werden.

Was heute auseinandergeht, ist die Schere

Während sich unten nichts mehr bewegt, wird oben wieder kräftig aufgeschlagen. Die Anbieter bringen laufend neue Spitzenmodelle für besonders anspruchsvolle Aufgaben, und die kosten wieder deutlich mehr. Der Abstand zwischen dem teuersten und dem günstigsten brauchbaren Modell ist heute größer als je zuvor.

Teuerstes aktuelles Modell 25,00 $ je Million Token
Günstigstes brauchbares Modell 0,08 $ je Million Token

Das ist etwa das 300-fache, am selben Tag, für Aufgaben, die sich im Alltag oft kaum unterscheiden. Für einen Betrieb heißt das: Die entscheidende Frage ist nicht mehr, wann KI günstig wird, sondern welches Modell für welche Aufgabe eingesetzt wird. Wer für das Sortieren von E-Mails ein Spitzenmodell einsetzt, zahlt das Dreihundertfache ohne jeden Gegenwert. Genau diese Zuordnung ist Teil meiner Arbeit, und sie ist am Monatsende deutlich mehr wert als jede weitere Preissenkung.

Der Preis bleibt gleich, das Modell wird besser

Es gibt noch einen zweiten Effekt, der unterschätzt wird. Manche Modelle kosten seit Jahren unverändert dasselbe, werden aber mit jeder Generation deutlich besser. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein bei mir häufig eingesetztes Modell der mittleren Klasse kostet seit vier Generationen denselben Betrag und leistet heute ein Vielfaches dessen, was es zu Beginn konnte.

Wer 2024 eine Automatisierung darauf gebaut hat, zahlt heute keinen Cent mehr und bekommt trotzdem ein deutlich besseres Ergebnis, ohne einen einzigen Handgriff. Das ist derselbe Gedanke, den ich im Ratgeber Warum jetzt mit KI starten beschreibe: Das Modell ist austauschbar, Ihre Basis nicht. Nur zeigt sich hier zusätzlich, dass die Verbesserung sogar ohne Preisaufschlag kommt.

Der wichtigste Punkt: Die Technik ist nicht das, was kostet

Bei allen Zahlen oben geht es ausschließlich um die Rechenleistung, also um den Betrag, den der Modellanbieter für die reine Verarbeitung berechnet. Dieser Posten ist bei einem typischen Projekt der kleinste von allen. Bezahlt wird die Arbeit darum herum: den Ablauf verstehen und sauber beschreiben, die vorhandenen Programme anbinden, Sonderfälle abfangen, Datenschutz klären, das Team einweisen und die Lösung nach dem Start nachschärfen.

Diese Arbeit ist seit 2023 nicht billiger geworden, und sie wird es auch nicht. Bei mir liegen Projekte deshalb zwischen 2.500 und 50.000 Euro netto, immer zum Festpreis, während die laufenden Technikkosten meist im Cent-Bereich pro Vorgang bleiben. Wer auf sinkende Technikkosten wartet, spart also an dem Posten, der ohnehin fast nichts ausmacht, und verliert währenddessen jeden Monat die Arbeitszeit, die eine Automatisierung eingespart hätte. Was das für Ihren Betrieb bedeutet, rechnet der Kostenersparnis-Rechner in 30 Sekunden aus. Die vollständige Kostenaufstellung steht im Ratgeber Was kostet KI.

Woran Sie trotzdem sparen können

  • Das passende Modell je Aufgabe: der mit Abstand größte Hebel, siehe die Schere oben.
  • Wiederkehrende Textbausteine zwischenspeichern: Anbieter geben darauf deutliche Nachlässe, weil sie dieselbe Anweisung nicht jedes Mal neu verarbeiten müssen.
  • Große Mengen gesammelt verarbeiten: Wer nicht auf eine Antwort in Sekunden angewiesen ist, zahlt für die Verarbeitung über Nacht deutlich weniger.
  • Kurze, präzise Anweisungen: Jedes überflüssige Wort in der Anweisung wird bei jedem einzelnen Vorgang mitbezahlt.

Diese vier Punkte sind Handwerk und gehören in jedes Projekt. Sie zusammen bringen mehr als jede Preissenkung, auf die man warten könnte.

Was das für Ihre Entscheidung heißt

Der Preis ist kein Grund mehr zu warten. Er war es zwischen 2023 und 2025, in dieser Zeit hat sich Abwarten tatsächlich gerechnet. Heute ist die Technik so günstig, dass sie in der Kalkulation eines Projekts kaum noch auftaucht, und weiter fallen wird sie nach heutigem Stand nicht nennenswert. Was bleibt, sind die Fragen, die ohnehin zu klären sind: Welcher Ablauf frisst bei Ihnen die meiste Zeit, lohnt sich dort eine Automatisierung, und ist Ihr Betrieb bereit für ein solches Projekt. Diese Fragen beantwortet kein Preisschild, sondern ein Gespräch.

Häufige Fragen zu KI-Preisen

Nach heutigem Stand nicht in der Größenordnung der vergangenen Jahre. Zwischen 2023 und Ende 2025 ist der Preis für die gleiche Rechenleistung um mehr als das 400-fache gefallen. Seit Ende 2025 bewegt sich die Untergrenze kaum noch, von 0,06 auf 0,05 US-Dollar je Million Token in acht Monaten. Das ist Rauschen, kein Trend. Wer heute auf den nächsten großen Preissturz wartet, wartet auf ein Ereignis, das bereits stattgefunden hat.

Weil die Rechenleistung der kleinste Posten ist. Bezahlt wird die Arbeit davor und daneben: den Ablauf verstehen und sauber beschreiben, die vorhandenen Programme anbinden, Sonderfälle abfangen, Datenschutz klären, das Team einweisen und die Lösung im Betrieb nachschärfen. Diese Arbeit ist in den letzten drei Jahren nicht billiger geworden. Bei mir liegen Projekte zwischen 2.500 und 50.000 Euro netto, immer zum Festpreis, während die laufenden Technikkosten meist im Cent-Bereich pro Vorgang bleiben.

Nein, und das ist der größte Hebel bei den laufenden Kosten. Zwischen dem teuersten aktuellen Modell und dem günstigsten, das für Büroaufgaben ausreicht, liegt derzeit etwa das 300-fache im Preis. Für das Sortieren von E-Mails, das Auslesen von Belegen oder das Entwerfen von Standardantworten reicht die günstige Klasse völlig. Die teuren Modelle lohnen sich nur dort, wo wirklich schwierig gedacht werden muss. Welches Modell wo eingesetzt wird, entscheide ich im Projekt und nicht der Kunde.

Preislich sind sie tatsächlich führend und sie haben den ganzen Markt unter Druck gesetzt. Für Betriebe mit Kunden- oder Personaldaten stellt sich aber zuerst die Frage, wo die Daten verarbeitet werden. Ich setze deshalb standardmäßig auf Anbieter mit Verarbeitung in der EU oder auf Modelle, die auf europäischen Servern laufen, auch wenn das etwas mehr kostet. Bei den heutigen Beträgen fällt dieser Aufschlag kaum ins Gewicht, die rechtliche Sicherheit dagegen schon.

Nein, denn Sie würden am falschen Posten sparen. Die Technikkosten machen bei einem typischen Projekt nur einen kleinen Teil aus, und genau dieser Teil ist bereits gefallen. Der große Posten ist die Einrichtung, und die wird nicht billiger. Dazu kommt: Jeder Monat ohne Automatisierung kostet die Arbeitszeit, die sie eingespart hätte. Der Kostenersparnis-Rechner macht daraus in 30 Sekunden eine Jahreszahl für Ihren Betrieb.

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